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Auszüge und Betrachtungen  aus einer Rede von Cornelius am 08.05.05 zu einer Ausstellungseröffnung

„Die Verschiedenheit meiner Bilder ist groß, da ich in Jedem sehr eigene Welten und verschiedeneste Eindrücke verarbeitete. Jedes bräuchte eigentlich viel freie Fläche um sich herum und dazu sehr viel Zeit zum Betrachten, ich habe sie mir genommen, bin wochenlang, bisweilen monatelang in ihnen spaziert, habe die Horizonte erkundet.  Das freie Assoziieren ist mir sehr wichtig, das braucht viel Ausdauer und Arbeit, die oft auch wieder übermalt wird, wenns thematisch oder formal nicht mehr passt.“ Ich liebe es Gegenwärtiges und Vergangenes humorvoll in meinen Bildern zu mischen, das ist ein schöne Relativierung. Ich betrachte ich meine Malerei nicht als Flucht, sondern als ein relativierendes, humorvolles Darstellen dessen,  was den Zeitgeist bestimmt.

„Und nun zum  Entstehungsprozess meiner Bilder:“ „Die meisten Betrachter meiner Bilder nehmen an, dass sie, genau geplant, immer mit einer Vorzeichnung beginnen. Nein, das ist nicht der Fall. Ich beginne meistens mit einem strukturierten Grund,   in dunklen Tönen. Das hilft mir, den „horror vacui“ , die Angst vor dem leeren Blatt, zu überwinden. Ich arbeite weniger mit der Zeichnung, als mit den Flächen, aus denen sich erst die Zeichnung entwickelt. Das ist für mich eine malerische und assoziative Vorgehensweise. Natürlich gibt es auch vorgezeichnete Bilder, allerdings seltener. Selbst dann bleiben viele Flächen offen und entwickeln sich erst im Verlauf. Der Beginn ist erst mal eine Suche, in dieser amorphen Struktur einen Anhaltspunkt zu finden. Ich entdecke Etwas, oder habe schon, in eine bestimmte Richtung hin, Etwas angelegt und verfolge diesen Malstrang, dabei entseht wiederum Anderes, was möglicherweise das Vorhergehende wieder verschwinden lässt. Es ist ein langwieriger Weg voller Umwege, doch nur so, lässt sich das „Unbewusste“ hervor locken und gibt etwas preis, führt zu Bildideen, die bei klarer Rationalität, nicht möglich gewesen wären. Erst wenn die Bildbearbeitung relativ weit fortgeschritten ist, entscheide ich mich für das endgültige Thema. Dann müssen sich alle Teile dieser Idee unterordnen, was noch mal zu einer Übermalung von sehr schönen Teilen führen kann. In langen Betrachtungssitzungen werden Teile mit Luft umgeben, nach hinten gedrängt, oder Andere durch Verstärkung nach vorne gebracht.  (push and pull“ ist einer der Lieblingsbegriffe von amerikanischen Malern wie Jackson Pollock, sie meinten wohl etwas neu eindeckt zu haben, aber das ist Handwerkszeug, seit es Malerei gibt.) Ich bin erst zufrieden, wenn die Bildlogik in sich stimmig ist, wenn ich das Gefühl habe, das Bild durchwandern zu können, ohne an Brüchen und Unlogischem hängen zu bleiben. Ein Bild, mag es noch so skurril sein, es muss in sich stimmen. Das Bild, „das etruskische Lächeln“ war zunächst sehr dunkel strukturiert, mit einer baumartigen Front. Dann besuchte ich Rom, sah die zwei Etrusker auf dem Kanapee´, hatte einige Caravaggios gesehen und schon geriet mir dieses Paar und Caravaggio in das Bild hinein. Genauso entstand das zweite „römische Bild“, es war zunächst eine Szene an einem See, nach Rom wurden daraus Säulen, Kathedralen, eine römische Baustelle und fliegende und abgestürzte Engel. Dann noch mal die Etrusker als Einzelbild auf ihrem fahrenden Kanapee´, nach über 2000 Jahren, wollte ich ihnen mal einen Urlaub gönnen. Auch die extremen Perspektiven von oben, entstehen ohne Vorlagen oder Vorzeichnungen. Alles ergibt sich aus der Malerei. Anders sieht es bei den grünen Halmen im roten Glas aus, oder den beiden Tibetern, da steht natürlich eine Vorzeichnung am Beginn. Grundidee zu den Tibetern war, die Rinde des Stammes etwa gleichartig wie die Haut der Alten zu gestalten. Die Zeitung in der Wüste (dieses Bild musste ich leider mangels Platz herausnehmen) lässt z.B. erkennen, wie es um unsere Wichtigkeit(en)  in anderer Umgebung steht. Immer wieder streue ich kleine Verstecktheiten in die Bilder, auf den ersten Blick sind sie nicht zu sehen, sind sie erst einmal entdeckt, wundert man sich wo sie vorher waren. Ich nehme mir viel Zeit für die Bilder, was wiederum sehr unzeitgemäß ist und sicher bei keinem Finanzbeamten und Banker Verständnis hervorrufen würde und diese Zeit ist ein unbezahlbares Gut, deswegen sollten Sie sich sehr viel Zeit zum Betrachten der Bilder geben. Um vielleicht doch den Einen oder Anderen Banker zu gewinnen, meine Bilder sind sozusagen ein Zeitdepot von unschätzbarem Wert und im Moment ist der Einstiegskurs noch äußerst günstig. Wenn Telekom schon wieder einen neuen Namen hat, ist mein Zeitdepot immer noch unverändert vorhanden. Die Entscheidung, ob sie, eine solch eine günstige Chance, nutzen wollen, überlasse ich Ihnen und wünsche Ihnen aber auf jeden Fall, viel Spaß beim Betrachten der Bilder.“