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Auszüge und Betrachtungen  aus einer Rede von Cornelius am 08.05.05 zu einer Ausstellungseröffnung

Jetzt habe ich mir die Rede nochmal mit gereiftem Abstand vorgenommen und bin erstaunt unter welchem Erklärungsnotstand ich mich befand.........

Als bräuchte das Kreativsein eine erklärungsnötige Relativierung, aber es scheint so zu sein........

„Liebe Freunde und geehrte Kunstliebhaber ! Ich freue mich,  Sie und Euch Alle hier und heute,  bei meiner Ausstellung begrüßen zu dürfen und meine neuen Arbeiten zeigen zu können – so begann die Rede....

„Die Verschiedenheit der Bilder ist groß, da ich in Jedem sehr eigene Welten und verschiedeneste Eindrücke verarbeitete. Jedes bräuchte eigentlich viel freie Fläche um sich herum und dazu sehr viel Zeit zum Betrachten, ich hatte sie mir genommen, bin wochenlang, bisweilen monatelang in ihnen spaziert, habe die Horizonte erkundet.  Das freie Assoziieren ist mir sehr wichtig, das braucht viel Ausdauer und Arbeit, die nur zu oft auch wieder übermalt wird.“    Manchmal wird mir vorgeworfen, dass ich in meine Bilder zuviel erzähle, was mir relativ unverständlich ist, da ich genau darin einen Sinn sehe, das genau mein Vergnügen ist.

Deshalb verteidigte ich mich damals in der Rede für das Narrative in meinen Bildern und musste festhalten, dass: „jeder  Mensch  die  Erfahrungen  seiner  Zeit ausdrückt.“ Vergangenheit  als eine Metapher, das Jetzt besser zu begreifen, womit die Gegenwart im Spiegel der Zeiten, transparenter würde und auch die Festlegung  auf   Metaphern der Moderne,  ohne sie vergleichend  neben  die  Vergangenheit  zu  stellen,  ein  Stochern  im betriebsblinden Chaos sei.  Wenn ich heute die Rede lese, verstehe ich, wie sehr mich damals die Kritiken getroffen und verunsichert, gelähmt haben, jetzt gefällt mir mein Tonfall, der aus diesen Angriffen resultierte, aber gar nicht mehr.

„Begriffe und Bilder relativieren und erklären sich nur in einem überfassenden Kontext, der weit über die Jetztzeit hinausgeht. Erfahrungen des Gegenwärtigen in die Vergangenheit gestellt und umgekehrt, ergeben völlig neue Zusammenhänge, Bedeutungen und Vergleichsmöglichkeiten. Nur so, lässt sich der Vorteil und der Nachteil, einer neuen Errungenschaft ermessen. Der Rückgriff in die Vergangenheit, steht bei meinen Bildern, an der vergleichenden Stelle, die eine Distanzierung zum Zeitgeschehen zulässt. Das Zitieren der Vergangenheit steht jedoch nicht, für eine Idealisierung der Vergangenheit, sondern vielmehr  für eine Veranschaulichung, des jetzigen Geschehens und dessen Relativität.“

Ich finde zwar völlig richtig was ich da gesagt habe, aber es klingt etwas „hölzern“ ;-) – wie ich es sage, aber ich gebe zu bedenken, dass der Versuch auf ein intellektuelles Besserwissen zu reagieren, in ähnlichem Duktus und dazu hilflos und trocken daherkommt und wer die massiven Angriffe nicht kennt, wird verwundert sein.

„Die Skurrilität, Gegenwärtiges und Vergangenes in meinen Bildern zu mischen, das ist mein Humor.“ (das stimmt, aber es klingt einfach ziemlich stockend und eher humorlos ;-)

Ich sehe in dem Text einen verzweifelten Versuch mich gegen Überheblichkeit zu wehren, was dadurch vielleicht dann auch wieder ziemlich überheblich klingt.

„Humor ist eine nicht zu unterschätzende Leichtigkeit, das Leben zu bewältigen. In den schwierigsten Situationen der Menschheitsgeschichte, sind Witze entstanden und sie entstanden nicht, weil die Menschen ihre Situation und die Ausweglosigkeit ihres Zustandes nicht begriffen, sondern als Ausdruck des Mutes und des Widerstandes. Humor schafft, wozu klarer Menschenverstand nicht in der Lage ist, eine Distanzierung zum Geschehen herzustellen und damit einen größeren Überblick zu gewinnen. Humor hilft, durch die Relativierung, den Moment zu ertragen, ohne das Ausmaß seiner Bedrohung zu verkennen. Das Relativieren schafft neue Handlungsimpulse im Gehirn, schafft neue Vernetzungen, die auf dem gradlinigen Wege nicht zu erreichen gewesen wären. In diesem Sinne betrachte ich meine Malerei nicht als Flucht, sondern als ein relativierendes, humorvolles Darstellen dessen,  was den Zeitgeist bestimmt - eine Veranschaulichung im komplementären Vermeiden der vorgeprägten Fernsehzeitgeistbilder. So zu malen, ist nicht Ausdruck meiner Naivität, sondern eine Ausdrucksweise, welche die Wichtigkeit und Richtigkeit der vorgegebenen Meinungen in Frage stellt. Meistens werden meine Bilder als märchenhaft gesehen. Märchen können benutzt werden um die Zeit zu verklären, sie können benutzt werden das „hier und jetzt zu fliehen“ und sie können eine Kraft sein, seinen Standpunkt zum „Jetzt“ zu finden. Ich glaube, kein Stamm hat Märchen erfunden, um die Stammesmitglieder nur zu unterhalten, sondern um ihnen Verhaltensmuster anzubieten, die sie in den verschiedensten Lebenssituationen anwenden konnten.“

Ich staune wieviel Raum diese Verteidigung einnimmt und sie läßt ahnen, welcher Feindlichkeit ich mich ausgesetzt fühlte.

„Nutzen Sie  meine Bilder, um Abstand zu gewinnen, von dieser scheinbar eindeutigen Welt. Es gibt Werte, die nicht durch das Börsengeschehen beeinflusst werden können. Gute Kunst fragt, was ist der Mensch, was macht das Menschsein aus und das zu jeder Zeit. Ich hoffe, dass Sie unter diesem Aspekt ein anderes Verständnis von meinen Bildern bekommen. Nicht, dass ich nicht wüsste, was der moderne Kunstmarkt gerne von mir sehen würde, ich verzichte bewusst darauf, bestimmte Effekte, die Modernität symbolisieren, zu verwenden. Ich habe den Auftrag, mein Quäntchen an individueller Sichtweise beizutragen und nicht schon Vorgekautes, in Hunderten von Studien-gängen Durchgenommenes zu reproduzieren.

Schön, wenn Beuys Theorien hatte.. Schön, - wenn Kunstkritiker Theorien entwickeln und ihr Denksystem erweitern wollen, schlimm, wenn ich mich davon beeinflussen lassen müsste.“ Nun, leider musste auch das gesagt werden – ich gebe zu bedenken, dass der Satz „hinter Beuys kann man nicht zurück” immer im Raum stand.......„Wenn die Kunst wirklich frei ist, ist auch der Künstler frei.“ (nicht von Beuys)

Jetzt finde ich komme ich eigentlich zum Punkt - ab jetzt gefällt es mir besser ! ;-)

„Und nun zum  Entstehungsprozess meiner Bilder:“ „Die meisten Betrachter meiner Bilder nehmen an, dass sie, genau geplant, immer mit einer Vorzeichnung beginnen. Nein, das ist nicht der Fall. Ich beginne meistens mit einem strukturierten Grund,   in dunklen Tönen. Das hilft mir, den „horror vacui“ , die Angst vor dem leeren Blatt, zu überwinden. Ich arbeite weniger mit der Zeichnung, als mit den Flächen, aus denen sich erst die Zeichnung entwickelt. Das ist für mich eine malerische und assoziative Vorgehensweise. Natürlich gibt es auch vorgezeichnete Bilder, allerdings seltener. Selbst dann bleiben viele Flächen offen und entwickeln sich erst im Verlauf. Der Beginn ist erst mal eine Suche, in dieser amorphen Struktur einen Anhaltspunkt zu finden. Ich entdecke Etwas, oder habe schon, in eine bestimmte Richtung hin, Etwas angelegt und verfolge diesen Malstrang, dabei entseht wiederum Anderes, was möglicherweise das Vorhergehende wieder verschwinden lässt. Es ist ein langwieriger Weg voller Umwege, doch nur so, lässt sich das „Unbewusste“ hervor locken und gibt etwas preis, führt zu Bildideen, die bei klarer Rationalität, nicht möglich gewesen wären. Erst wenn die Bildbearbeitung relativ weit fortgeschritten ist, entscheide ich mich für das endgültige Thema. Dann müssen sich alle Teile dieser Idee unterordnen, was noch mal zu einer Übermalung von sehr schönen Teilen führen kann. In langen Betrachtungssitzungen werden Teile mit Luft umgeben, nach hinten gedrängt, oder Andere durch Verstärkung nach vorne gebracht.  (push and pull“ ist einer der Lieblingsbegriffe von amerikanischen Malern wie Jackson Pollock, sie meinten wohl etwas neu eindeckt zu haben, aber das ist Handwerkszeug, seit es Malerei gibt.) Ich bin erst zufrieden, wenn die Bildlogik in sich stimmig ist, wenn ich das Gefühl habe, das Bild durchwandern zu können, ohne an Brüchen und Unlogischem hängen zu bleiben. Ein Bild, mag es noch so skurril sein, es muss in sich stimmen. Das Bild, „das etruskische Lächeln“ war zunächst sehr dunkel strukturiert, mit einer baumartigen Front. Dann besuchte ich Rom, sah die zwei Etrusker auf dem Kanapee´, hatte einige Caravaggios gesehen und schon geriet mir dieses Paar und Caravaggio in das Bild hinein. Genauso entstand das zweite „römische Bild“, es war zunächst eine Szene an einem See, nach Rom wurden daraus Säulen, Kathedralen, eine römische Baustelle und fliegende und abgestürzte Engel. Dann noch mal die Etrusker als Einzelbild auf ihrem fahrenden Kanapee´, nach über 2000 Jahren, wollte ich ihnen mal einen Urlaub gönnen. Auch die extremen Perspektiven von oben, entstehen ohne Vorlagen oder Vorzeichnungen. Alles ergibt sich aus der Malerei. Anders sieht es bei den grünen Halmen im roten Glas aus, oder den beiden Tibetern, da steht natürlich eine Vorzeichnung am Beginn. Grundidee zu den Tibetern war, die Rinde des Stammes etwa gleichartig wie die Haut der Alten zu gestalten. Die Zeitung in der Wüste (dieses Bild musste ich leider mangels Platz herausnehmen) lässt z.B. erkennen, wie es um unsere Wichtigkeit(en)  in anderer Umgebung steht. Immer wieder streue ich kleine Verstecktheiten in die Bilder, auf den ersten Blick sind sie nicht zu sehen, sind sie erst einmal entdeckt, wundert man sich wo sie vorher waren. Ich nehme mir viel Zeit für die Bilder, was wiederum sehr unzeitgemäß ist und sicher bei keinem Finanzbeamten und Banker Verständnis hervorrufen würde und diese Zeit ist ein unbezahlbares Gut, deswegen sollten Sie sich sehr viel Zeit zum Betrachten der Bilder geben. Um vielleicht doch den Einen oder Anderen Banker zu gewinnen, meine Bilder sind sozusagen ein Zeitdepot von unschätzbarem Wert und im Moment ist der Einstiegskurs noch äußerst günstig. Wenn Telecom schon wieder einen neuen Namen hat, ist mein Zeitdepot immer noch unverändert vorhanden. Die Entscheidung, ob sie, eine solch eine günstige Chance, nutzen wollen, überlasse ich Ihnen und wünsche Ihnen aber auf jeden Fall, viel Spaß beim Betrachten der Bilder.“

Es war interessant für mir diesen Text 8 Jahre später mir noch mal „zu Gemüte“ zu führen, ich würde jetzt sagen, dass ich zwar damals, schwer gekämpft habe, aber die Realität mir noch nicht als real erschien. Da ich die „Realität“ inzwischen als Realität akzeptieren muss, es fallen mir die abgehobenen Träume schwer. Realismus, wenn es denn Einer ist, überlagert den Surrealismus, von dem ich hoffte, dass er die Realität aufdecken würde.............Surrealismus ist Realität und meine Mittel ihn darzustellen sind bescheiden – IS, Kriege , Hitler, Attentate, Flucht, Clinton, Trump, Putin, Überwachung, Snowden, google, Handys, Korruption, Kunstbetrieb, haben Alles, was ich mir ausdenken könnte, in den Schattten gestellt !

 

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